GESCHICHTE UND ARCHITEKTUR

Kloster

Königinnenkloster
gestiftet 1581 von Elisabeth von Österreich

Johann Graf von Fries

Johann Graf von Fries
(1719 – 1785) ließ auf dem Gelände des 1782
aufgehobenen „Königinnenklosters“ das heutige
Palais Pallavicini errichten.

Eingang

Palais Pallavicini
Karyatiden am Eingangstor von Franz Zauner,
Aufnahme um 1890

Mitten im Herzen von Wien, eingebettet in einem Ensemble mit der kaiserlichen Hofburg und der Spanischen Hofreitschule, liegt das Palais Pallavicini.

Das Palais Pallavicini ist das Resultat von verschieden Umbauten auf dem Platz des ehemaligen „Königinnenklosters“ bzw. „Klarissenklosters Maria, Königin der Engel“. Das Kloster wurde von Elisabeth, der Witwe des französischen Königs Karl IX. und Tochter Maximilans II. im Jahre 1581 gestiftet, 1582 wurde der Grundstein zu diesem Bau gelegt. Am 12. Jänner 1782 wurde das Kloster schließlich im Zuge der Josefinischen Klosteraufhebungen geschlossen, und die Gebäudetrakte aufgeteilt.

Einen dieser Teile erwarb Johann Graf von Fries, und beauftragte den Schöpfer der berühmten Wiener Gloriette, Ferdinand Hohenberg von Hetzendorf, mit dem Umbau. Dieser errichtete einen der interessantesten Palastbauten Wiens, an dessen Fassade der reiche Schmuck des Hochbarock erstmals den schlichteren Zügen des Klassizismus wich.

Die strenge Gliederung des Baus wird jedoch durch das Tor und die Attika belebt. Die Karyatiden vereinen Größe und Anmut in vollendeter Weise, und sind ebenso wie die gelagerten Frauengestalten der Attika ein Werk von Franz Zauner, der auch das berühmte Denkmal Kaiser Josefs am gegenüberliegenden Platz errichtete.

Was sich heute als architektonisch spannender Übergang zwischen zwei Architekturstilen präsentiert, war damals ein handfester Skandal. Die radikale, durch ihre Schlichtheit bestechende Fassade war gerade als Gegenüber zur Hofburg sehr umstritten, obwohl sie als Zugeständnis an die Architektur der Zeit und die prachtvolle Umgebung sanft „barockisiert“ wurde.

Das Stiegenhaus mit seinen schönen, klassizistischen Gittern führt in die herrlichen Prunkräume des zweiten Stockwerkes. Diese Säle zeichnen sich durch prachtvollen Stuck an den Decken und Wänden aus, insbesondere der prachtvolle Festsaal hat sich vom verklungenen Barock die Liebe zum üppigen Detail und zum prachtvollen Spiel mit den Spiegelwirkungen bewahrt. Auch die beeindruckenden ornamentreichen Luster und Lichtständer sind bis zum heutigen Tag erhalten geblieben.

Die Prunkräume waren immer schon ein Ort festlicher und kultureller Aktivitäten, Moritz Reichsgraf von Fries, Sohn des Errichters, war einer der reichsten Männer dieser Zeit. Der Legende nach war er Vorbild für Ferdinand Raimunds Theaterstück „Der Verschwender“ - seine Bildergalerie im Palais umfasste rund 300 Meisterwerke europäischer Malerei und mehr als 100.000 Kupferstiche, die Bibliothek war mit rund 16.000 Büchern bestückt. Auch die Musik förderte und unterstützte er – Ludwig van Beethoven und Franz Schubert gingen im Palais ein und aus.

Eine Wirtschaftskrise vernichtete letztendlich sein Vermögen, und er sah sich gezwungen, das Haus zu verkaufen.

1842 schließlich erwarb es Alfons Pallavicini, im Jahre 1873 erbte es dann dessen Sohn Alexander sen. Pallavicini, der Stiegenhaus und Festräume in historisierendem Stil in ihre heutige Form umgestalten ließ. Weder im Ersten noch im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude ernsthaft beschädigt, und ist daher bis heute noch im Originalzustand zu bewundern.